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Weltmeisterschaft Doppeltriathlon Neulengbach

Heinrich Hempel: Inzwischen gibt es auch ein tolles Video vom Wettkampf samt Zieleinlauf von Richard.

 

 

 

Beim Int. Austrian Double Ultra Triathlon World Championchip 2013 belegte Richard Widmer den Ersten Platz und wurde Weltmeister!

 

 

 

 

 

 

 

Nach meinen guten Erfahrungen beim letzten Ultratriathlon hat mich so langsam die Begeisterung und auch der Ehrgeiz gepackt, zumindest habe ich mich für dieses Jahr wieder bei zwei Triathlons über die doppelte Langdistanz angemeldet.

Nach den schlechten Erfahrungen auf der Laufstrecke letztes Jahr habe ich es dieses Jahr dann immerhin geschafft in den zweieinhalb Monaten vor dem Wettkampf wenigstens einmal pro Woche laufen zu gehen und dabei meistens sogar Strecken von über 40 Kilometer.

Eine weitere Wettkampfvorbereitung habe ich dann noch in der Woche vorher getroffen. Ich hatte schon eine Weile mit dem Gedanken gespielt ein neueres Fahrrad zu kaufen, da mein Altes noch mit einer alten 8-fach Schaltung ausgestattet ist, die sich nicht mehr so richtig sauber einstellen lässt. Am Sonntag vor dem Wettkampf, als ich abends von Basel nach Tübingen zurückgeradelt bin, fiel mir hinter Rheinfelden auf, dass meine Kettenblätter hin und her wackeln. Ich dachte zuerst das liegt am Tretlager. Dieses wollte ich sowieso noch tauschen. Als ich dann aber anhielt musste ich feststellen, dass drei der Schrauben gefehlt haben, mit denen die Kettenblätter an der Kurbel befestigt sind. Die zwei noch vorhandenen hab ich wieder angezogen und bin auf diese Weise zum Glück gut bis Tübingen gekommen. Als ich dann zuhause nur für zwei der fehlenden Schrauben bei einem anderen Fahrrad Ersatz gefunden habe und außerdem bei Ebay ganz in der Nähe noch ein Zeitfahrrad entdeckt habe, hab ich dies kurzerhand gekauft, am Mittwoch abgeholt und zusammen mit meinem anderen Fahrrad ins Auto geladen.

 

So sind ich und meine Freundin dann am Freitag, morgens um halb vier, und nach leider nur drei Stunden Schlaf, mit dem Auto nach Neulengbach bei Wien gefahren. Um 10 Uhr waren wir dort, fingen an unser Lager aufzubauen und trafen sofort ein paar alte Bekannte, die wir schon in Slowenien letztes Jahr kennen gelernt hatten. Und natürlich waren auch alle anderen sehr gesellig und wir konnten uns sofort vollkommen aufgenommen fühlen in die Familie der Ultratriathleten.

Ein großer Teil der Veranstaltung konzentrierte sich im Schwimmbadareal. Die Teilnehmer und ihre Betreuer konnten dort campen mit ihren Zelten oder Wohnmobilen, geschwommen wurde im dortigen 50-Meter-Becken, gelaufen auf einem 670 Meter langen Rundkurs der auch noch Mitten durch ein großes dort aufgestelltes Festzelt verlief und auf der 9,75 Kilometer langen Radstrecke fuhr man ebenfalls jedes Runde kurz hindurch.

 

Nachdem unser Basislager vorbereitet war, kümmerte ich mich um mein Fahrrad, montierte einen Flaschenhalter, Pedale, ölte es, machte eine Probefahrt auf der Wettkampfradstrecke und stellte die Schaltung sauber ein. Es hatte schon eine andere Geometrie, als ein normales Rennrad, weswegen ich zunächst vorsichtig lenken und Kurven fahren musste, aber das Laufgeräusch der Laufräder war wirklich toll und auf der Geraden lief es hervorragend.

 

Irgendwann legte ich mich noch eine Stunde hin, bevor im Festzelt eine Vorstellung aller Teilnehmer stattfand. Im Anschluss daran gab es Nudeln, verschiedene Soßen und Salate für alle. Die Veranstalter hatten sogar ein extra Heft gedruckt, in dem das Organisationsteam und alle teilnehmenden Sportler vorgestellt wurde, so dass man sich auch auf diese Weise einen noch ausführlicheren Überblick über die anderen Teilnehmer verschaffen konnte.

An unserem Tisch waren wir sofort eingesponnen in allerlei Gespräche, das Organisationsteam sang gemeinsam mit einem Musiker ein Lied von Reinhard Fendrich, das auf den Wettkampf umgedichtet worden war, bei der Vorstellung gab fast jeder der Sportler allen anderen die Hand und allgemein herrschte eine sehr nette Atmosphäre so dass ich mich sofort willkommen, aufgenommen und wohl fühlte.

 

Der Start des Wettkampfes war dann am nächsten Morgen um elf. Ich war schon recht früh aufgewacht, aber die Zeit bis zum Start verging dann dennoch wie im Flug. Um halb zehn war noch eine Wettkampfbesprechung, die wir gleichzeitig auch zum Frühstücken nutzten, danach fühlte ich mich schon wieder müde und hätte gern ein Mittagsschläflein gehalten. Mein Betreuerteam war mittlerweile noch gewachsen. Meine Schwester und ihr Freund hatten am Tag zuvor keine Zeit gehabt sofort mitzukommen und waren erst in der Nacht angekommen.

 

Um fünf vor elf stieg ich dann ins Wasser. Auf meiner Bahn waren noch vier andere, mit denen ich mich zunächst kurz absprechen musste wer voraus schwimmt. Einer auf der Bahn war ähnlich schnell wie ich so dass wir fast die ganze Strecke gemeinsam schwimmen konnten. Am Anfang wechselten wir noch zweimal ab wer vorne schwimmt, danach war ich froh, wenn ich mich im Wasserschatten halten konnte und bin den größten Teil der Strecke lediglich hinterher geschwommen. Am einen Ende des Beckens saßen die Wettkampfrichter um zu zählen wann wir unsere 152 Bahnen beisammen haben, auf der anderen saß meine Freundin und informierte mich hin und wieder wie viel davon ich schon geschwommen war. Kurz nach eins kam ich dann als fünfter aus dem Wasser, ließ mich mit Sonnencreme eincremen während ich mich gleichzeitig anzog, schnappte mir mein neues Fahrrad und startete zu meiner großen Probefahrt.

Nach ein paar Runden hatte ich mich immer besser an das neue Rad gewöhnt und fuhr nach kurzem schon Rundenzeiten von 16 bis 17 Minuten auf die 9,75 Kilometer lange Strecke. Toll fand ich immer wieder das Laufgeräusch der Carbonlaufräder. Die Felgen wirken wie ein Resonanzkörper und hören sich ganz anders an, als meine bisherigen.

Da es recht windig war mussten wir uns auf der einen Hälfte der Strecke jeweils gegen den Wind kämpfen, den Rückweg dagegen konnte ich zur Erholung, zum Trinken oder zum Essen nutzen. Nach zwei drei Runden merkte ich schon meine Oberschenkel und hatte das Gefühl, dass der Sattel ein wenig zu tief eingestellt war. Ich rief meinem Betreuerteam zu, dass sie einen Imbusschlüssel herrichten sollten, um den Sattel zu verstellen. Zunächst wollte aber erst noch ein paar Runden fahren, um nicht schon gleich am Anfang wieder eine Pause zu machen. Ich brauchte gar nicht so viele Runden, bis ich den Kommentator auf meiner Fahrt durchs Schwimmbadareal sagen hörte, dass gerade der Zweitplatzierte durchfährt, dicht gefolgt vom Drittplatzierten Ridschi Widmer. So überholte ich auch noch diesen und hatte mich schon auf den zweiten Platz vorgekämpft. So wollte ich dann doch nie anhalten und letztlich gewöhnte ich auch an die Satteleinstellung.

Noch vor der Hälfte der Radstrecke bemerkte ich dass meine Oberschenkel auf Dauer doch müde wurden bei dem Tempo und beschloss lieber etwas gemütlicher zu radeln um dafür hinterher ausgeruhter auf die Laufstrecke gehen zu können. So nutzte ich die Rückfahrt bei Rückenwind um meine Waden zu dehnen, oder die Fußsohlen zu entlasten und mich allgemein ein wenig zu erholen. Beim Laufen sind solche Erholungspausen nicht mehr möglich, ohne anzuhalten und Zeit zu verlieren, während man beim Radeln eine ganze Weile mit schnellem Tempo dahin rollen kann.

 

Nach einer Weile hat meine Freundin mir zugerufen, dass der drittplatzierte nur eine Minute Rückstand auf mich hat. Ich hab ihn dann auch vor dem Wendepunkt gesehen, es war Werner, mit dem ich schon gemeinsam geschwommen war. In der nächsten Runde rief mir mein Team zu dass derjenige mit der Startnummer 7 mein Verfolger sei und nachdem er mich dann auf der folgenden Rund überholte, dass ich auf dem dritten Platz sei. Da ich das alles schon wusste hätte mich eigentlich mehr interessiert wer eigentlich auf der ersten Position ist und wie weit derjenige entfernt ist, anstatt nur Infos über denjenigen direkt vor mir, den ich schon kannte zu bekommen. Außerdem war ich selbst absolut stolz auf mich, dass ich nach weniger als siebeneinhalb Stunden schon die erste Hälfte der Radstrecke hinter mir hatte. Ich hatte also gute Chancen nach nur 13 Stunden schon auf die Laufstrecke zu wechseln, mehr hatte ich gar nie erwartet. Da passte es mir nicht, dass mein Team dies gar nicht beachtet hat, sondern nur meine Platzierung im Auge hatte. So dachte ich darüber nach, dass es wohl gut ist, dass ich selbst darüber entscheiden kann, wie ich meine Kräfte einteile und nicht auf irgendwelche Rufe wie z.B. „schneller“ achten muss und auch nicht darauf an welcher Position ich im Moment bin. Leider ist es ziemlich schwer dann derartige Gedanken auch seinem Team zuzurufen, da man mit dem Fahrrad immer so schnell vorbeigefahren ist. So habe ich in der nächsten Runde nur „immer mit der Ruhe“ gerufen, was mir anscheinend übel genommen wurde. Zumindest bekam ich anschließend gar keine Infos mehr darüber wie ich platziert bin. Bis auf solche Kleinigkeiten funktionierte unser Teamwork allerdings hervorragend. Mittlerweile waren wir schon ein ganz gut eingespieltes Team.

 

So war ich wieder auf dem dritten Platz und radelte relativ konstant meine Runden in jeweils 18 Minuten, ohne bewusst darauf zu achten wo die anderen waren und damit auch ohne mich aus meinem Tempo bringen zu lassen. Einige Runden später entdeckte ich Werner am Wendepunkt wieder kurz vor mir und als ich ihn ein paar Minuten später überholte erfuhr ich dann vom Moderator, dass ich auf dem ersten Platz sei. Irgendwann mussten wir also den zuvor Führenden überholt haben.

Ein paar Mal überholten wir uns gegenseitig immer wieder. Ich war meistens schneller auf der Strecke gegen den Wind, Werner dagegen überholte mich auf dem Rückweg dann wieder. Ich versuchte bei meinem Tempo zu bleiben und im Endeffekt zeichnete sich auch so langsam ab, dass das Ganze auf ein Duell zwischen uns hinauslaufen würde. Ich beschloss aber recht schnell, dass sich dieses sowieso erst auf der Laufstrecke entscheiden würde. Aussichten darauf einen großen Vorsprung herauszufahren machte ich mir keine, es wäre also absolut unnötig gewesen sich auf der Radstrecke schon zu verausgaben. Statt dessen wollte ich lieber ausgeruht auf die Laufstrecke gehen und hoffte damit meine Chancen zu steigern, dass ich dort nicht einbrechen würde.

 

Nach einer Weile war ich dann dauerhaft vorne, aber anstatt zu beobachten wie viel nach dem Wendepunkt mir Werner begegnete, achtete ich so langsam zunehmend auf die Temperaturanzeige am Rand der Strecke. Die Temperatur sank Runde für Rund ab. Um zehn hatte es nur noch 15 Grad, aber andererseits hatte ich ja nur noch zwei Stunden vor mir. So richtig lohnte es sich also nicht anzuhalten und etwas anzuziehen. Schließlich schaffte ich es noch vor 12 das letzte Mal den Wendepunkt zu passieren und es hatte zwar nur noch 12 Grad, aber in den letzten zwei Runden hatte ich mich einfach mit einer warmen Suppenbrühe aufgewärmt, die mein Team mir gereicht hatte.

Ich hatte nicht viel Vorsprung und wollte diesen nun beim Laufen endlich mal ausbauen. Leider kam ich aber mit meinen kalten Fingern nicht aus den Radschuhen. Der eine ging auf, am anderen versuchte sich so lange meine Freundin, schaffte es aber nicht. So versuchte ich selbst mich damit und als ich es endlich geschafft hatte ihn vom Fuß zu bekommen schleuderte ich ihn nur weg, schlüpfte in meine Laufschuhe und vergaß sogar erst noch die Schnürsenkel zu binden. Das erledigte ich dann eben eine halbe Runde später.

Beim Laufen wurde es mir zum Glück schnell wieder warm und ich schaffte es in wenigen Runden Werner zwei Mal zu überholen und damit wenigstens ein paar Minuten Vorsprung herauszulaufen. Danach wurden meine Rundenzeiten sukzessive langsamer, bis ich mich bei ungefähr dreieinhalb Minuten auf die 670m lange Runde einpendelte. Die Temperatur sank weiter bis auf ungefähr 9 Grad, was für mich zum Laufen natürlich ideal war, dafür aber für mein Betreuerteam ziemlich kalt. Hinzu kam, dass ich zeitweise fast jede Runde einen Schluck getrunken habe, dabei die Flasche einige Meter mit mir mitgetragen habe um sie dann dort wieder auf den Boden zu werfen. Das heißt meine Freundin konnte nicht einmal in Ruhe im Schlafsack am Rand sitzen bleiben, sondern holte immer wieder die Flasche zurück und füllte sie wieder auf. Aber geduldig blieb sie auf, feuerte uns Läufer immer wieder an und fragte mich immer wieder, ob ich irgendetwas brauche.

 

Der Vorteil beim Laufen nun war, dass ich mich mit anderen unterhalten konnte. Ich hatte die Gelegenheit immer wieder ein paar Worte mit meiner Freundin zu wechseln, mich zu bedanken, oder auch ab und zu mit anderen Läufern zu reden, z.B. mit Werner. Als ich ihn das zweite Mal überholte lobte er beispielsweise meinen Laufstil und ich bedankte mich für den Wasserschatten beim Schwimmen. So arg viel wussten wir in dem Moment zwar nicht zu erzählen, aber immerhin war das was wir sagten wertschätzend und respektvoll gemeint und wurde auch so aufgefasst. Im Endeffekt war es mir natürlich nicht recht, dass das Ganze nun auf einen Wettstreit zwischen uns beiden herauslief und ich wollte wenn ich gewinnen sollte, wenigstens so viel Vorsprung herauslaufen dass der Sieg nicht auf die Hilfe beim Schwimmen zurückgeführt werden konnte.

Leider konnte ich nicht langfristig schnelle Rundenzeiten durchhalten. Mir hatten schon beim Radfahren die Fußsohlen weh getan und dies wurde nun noch schlimmer. Vor allem war es unangenehm Kurven zu laufen. Außerdem fing mein Knie immer wieder an sich zu beschweren. So musste ich immer wieder ganz kurze Dehnpausen einlegen und nach 42 Runden, also einem Drittel wechselte ich meine Laufschuhe um die Füße wenigstens mal etwas anders zu belasten. Mittlerweile hatte ich drei Runden Vorsprung, die Dritte war spontan irgendwann dazu gekommen, ohne dass ich es bemerkt hatte.

Nachdem ich die Hälfte geschafft hatte machte ich erneut eine größere Pause. Danach war ich dann wieder für einige Runden fit und schaffte es meinen Vorsprung auf fünf Runden auszubauen. Im Übrigen hatte ich das Gefühl, dass es gar nicht so schlecht ist nicht immer im gleichen Trott zu laufen, sondern mal ein zügigeres Tempo anzuschlagen, da dadurch auch mal ein paar andere Muskeln zum Einsatz kamen. Insofern waren Pausen doch gar nicht so schlecht.

Natürlich beobachtete ich nicht nur mich selbst und meine Platzierung, sondern beispielsweise auch wer sonst allmählich auf die Strecke kam. Außerdem versuchte ich selbstverständlich die netten Leute freundlich zu grüßen die mich anfeuerten. Im Endeffekt galt aber doch ein großer Teil meiner Aufmerksamkeit der Einteilung meiner Kräfte, dem Rechnen welche Endzeit ich mit meinen aktuellen Zeiten hinbekommen könnte und dem Beobachten wie viel Vorsprung ich hatte. Bis zum Ende war ich mir nicht so sicher, ob ich nicht doch irgendwann einbrechen würde, beispielsweise in dem ich ständig Pause brauche, oder nicht mehr richtig vorwärts komme. Die Muskeln waren allmählich nun doch müde und ich musste sie eher zwingen sich zu bewegen, als dass sie dies freiwillig und gerne taten. Zwar hätte ich natürlich Werner den Sieg ebenfalls vollkommen gegönnt, war aber andererseits auch bestrebt mich anzustrengen und nach Kräften darum zu kämpfen. Insgesamt war diese Atmosphäre des sportlichen Wettstreitens eins der Dinge die mir am besten gefiel an dem Wettkampf. Werner war absolut freundlich und sein Team feuerte mich genauso an wie ihn, genauso wie umgekehrt meine Freundin ihn angefeuert hat und ich überzeugt bin, dass ich mich auch für ihn hätte mitfreuen können. Auch wenn wir uns also nach Kräften duelliert haben, war dies keinerlei verbissenes und erbittertes Wettstreiten, sondern einfach ein sportliches, freundliches Kräftemessen. Der komplette Wettkampf war in meinen Augen gekennzeichnet durch eine unvergleichliche Atmosphäre absoluter Sportlichkeit im Sinne von Fairness, gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Anerkennung.

 

Nach 82 Runden wechselte ich erneut mal wieder die Schuhe, dehnte mich, aß etwas und machte mich dann wieder auf den Weg. Mittlerweile war die Müdigkeit auch bei meinen Helfern zu sehen und für 15 Runden musste ich mal nichts essen oder trinken, da alle in einen Schlafsack gewickelt in einem Stuhl saßen und schliefen. Danach merkte ich dann aber doch wie die Energie wieder nachließ und so sagte ich den anderen Bescheid, dass sie mich wieder ab und zu zum Essen überreden mussten.

Da Werner ebenfalls nie anhielt versuchte ich mich ebenfalls darin möglichst lange ohne Pausen zu laufen und schaffte es dann immerhin erst bei 113 Runden wieder eine größere Pause zu machen. Was andererseits vielleicht gar nicht so gut war, denn nun schmerzten meine Knie allmählich stärker.

Drei Minuten sitzen reichten aber aus damit sie sich wieder grob regenerierten und danach konnte ich mit neuer Kraft die letzten 13 Runden in Angriff nehmen. Die Pause hatte mich eindeutig gestärkt, die Rundenzeiten wurden wieder schneller, das Ziel war so langsam in greifbarer Nähe und der Countdown war eingeläutet. So zählte ich mit meiner Freundin im Chor, jedes Mal wenn ich an ihr vorbei lief, die letzten Runden herunter und es tat richtig gut zu sagen und zu hören wie wenig Runden nur noch übrig waren. Schon dies gab jede Runde wieder neue Kraft.

Mittlerweile kommentierte auch der Moderator wieder fleißig, die Leute wurden mehr und so allmählich schien der Sieg nun doch erreichbar.

So gelangte ich dann schließlich auf die letzte Runde. Bei der Zeitmessung erwartete mich schon einer der Organisatoren, überreichte mir eine Deutschlandflagge und die letzte Runde musste ich nun gegen den Uhrzeigersinn laufen. Alle die mir entgegenkamen hielten ihre Hand hin zum Abschlagen und gratulierten mir. Einerseits freute ich mich natürlich und war stolz und froh, auf der anderen Seite hatte ich das Gefühl nicht so richtig Anerkennung und Ermutigung zurückgeben zu können. Ich hatte nun letztlich die leichte Rolle. Ich musste nur noch ein paar Meter laufen, während andere zum Teil noch einige Stunden vor sich hatten. Dennoch bekam ich einen großen Teil der Aufmerksamkeit und so ein wenig hatte ich das Gefühl, dass man nicht so vollkommen ernst genommen wird, wenn man aus der Rolle des Führenden heraus den anderen Anerkennung und Aufmunterung zuteil werden lassen will. Und helfen konnte ich auch niemandem so richtig, obwohl ich ja nun mit meinem Teil so gut wie fertig war.

 

Das Ziel war im Festzelt aufgebaut. Dort wurde ich erwartet, feierlich begrüßt, fleißig fotografiert und ein erstes Mal interviewt. Anschließend folgte ein Dopingtest. Auf dem Weg zum eigenen Zelt und wieder zurück wurde ich ganz oft angesprochen und hatte allerlei nette Unterhaltungen. So war mir andererseits schon eisig kalt, bis ich endlich duschen konnte und leider waren diese nicht sonderlich warm. Daher lief ich eigentlich den Rest des Tages trotz Sonnenschein im warmen Pullover herum und brauchte recht lange um mich wieder vollständig aufzuwärmen. Was andererseits schon allein deswegen gut war, da ich einen kräftigen Sonnenbrand bekommen hatte.

Während beim Wettkampf mich die Pausen immer gestärkt hatten, beschloss meine Beinmuskulatur nun endgültig die Schnauze voll zu haben und ich fühlte mich teilweise wie ein Invalider, der nicht einmal problemlos eine Hose anziehen, oder etwas vom Boden aufheben kann. So setzte ich mich nach einer Weile friedlich an den Streckenrand, aß eine Suppe und übte mich in der Rolle des Zuschauers. Meine Knie taten nun allmählich stärker weh, als während des Wettkampfs. Ich spürte einen Druck und dazu ein leichtes Pochen darin.

 

Irgendwann fing ich dann an, meine Beine im Schwimmbecken mal wieder ein wenig zu lockern, dazwischen gratulierten wir im Festzelt immer wieder denjenigen die frisch ins Ziel gelangt waren und nachmittags fuhren wir meine Freundin nach St. Pölten auf den Bahnhof, da sie schon wieder zurückfahren musste. Zurück im Neulengbacher Freibad gab es im Festzelt Spanferkel und mal wieder geselliges Beisammensein.

Die Siegerehrung fand dann erst am Montagmorgen statt. Sie gefiel mir sehr gut, vor allem weil dabei alle Teilnehmer zur Geltung kamen. Bis auf einen waren alle die ins Ziel gekommen waren dageblieben und auch die meisten derjenigen die den Wettkampf hatten abbrechen müssen.

Sie wurden als Erstes vom Moderator erwähnt und er wies darauf hin, wie wichtig auch die Fähigkeit ist im Zweifelsfall loslassen zu können und sich nicht unbedingt kaputt zu machen. Dann wurde der Reihe nach jeder nach vorne auf die Bühne gerufen, bekam vom Bürgermeister einen Pokal, vom Präsidenten der IUTA eine Medaille, vom Veranstaltungsleiter eine Tasche mit Rundenzeiten und Urkunde und der Moderator erzählte währenddessen etwas zu ihm oder ihr. Die Siegerehrung ging dadurch zwar recht lange, aber jeder hat sich die Zeit genommen und auch zugehört was der Moderator zu all den anderen Athleten erzählt hat. So ist niemand einfach untergegangen, da er eben sowieso unscheinbar war und "nur" auf dem zwanzigsten Platz oder so war. Vom einen ließ sich z.B. erzählen, dass er schon 65 ist und bereits an seiner 60. Doppeldistanz mitmacht, vom nächsten, dass er durch diesen Wettkampf 7000 Euro für eine soziale Einrichtung an Sponsorengeldern gesammelt hat, vom dritten wie er auf der Radstrecke gekämpft hatte, von anderen, dass die Kinder und Enkel zur Betreuung und zum Anfeuern dabei waren, und so weiter. Auf diese Weise fielen auch Werte die sich nicht so leicht messen und vergleichen lassen nicht einfach unter den Tisch und man lernte die anderen etwas besser kennen, anstatt nur ihre Platzierung zu kennen.

Als die Reihe schließlich an mich kam meinte der Moderator, dass er mal kurz eine Geschichte erzählt. Er erzählte dann, wie ich zum Fahrradfahren gelangt bin, als ich es zu Schulzeiten als Fortbewegungsmittel entdeckt habe um unabhängig vom Bus zu sein. Es war schön wie er die Geschichte erzählte und allgemein immer wieder auf Dinge einging, die mir selbst am Sport wichtig sind.

Letztendlich stehe ich Wettkämpfen doch recht zwiespältig gegenüber. Warum bekommt man ausgerechnet dafür Anerkennung, wenn man 1000 Kilometer zu einem Wettkampf fährt, dort dann mit anderen um die Wette im Kreis herum schwimmt, radelt und läuft, während es auf der anderen Seite kaum jemand bemerkt und würdigt, wenn man dank des Sports seinen Alltag eigenständiger bewältigt, ohne Hilfsmittel wie Autos und Züge zum Beispiel.

Eigentlich finde ich es eher abschreckend, wie viel Aufwand hinter zahlreichen Wettkämpfen steckt. Nur um Vergleichbarkeit herzustellen und Menschen in eine Hierarchie bringen zu können nehmen sich alle ein paar Tage Zeit, machen teilweise halbe Weltreisen, kaufen sich Fahrräder die gar kein Gebrauchsgegenstand mehr sind, sondern nur zum Wettkampf dienen, und so weiter und so fort. Mir ist im Endeffekt beim Sport wie bei anderen Fähigkeiten die Selbstständigkeit wichtiger, also dass ich etwas aus eigener Kraft schaffe, ohne viele Hilfsmittel und viel Materialaufwand. Und dazu gehört es eben nicht mit dem Auto extra bis Wien zu fahren, Betreuungspersonen am Straßenrand zu brauchen und nur zur Abkärung einer Rangordnung über 20 Stunden mit anderen im Kreis zu schwimmen, radeln und laufen.

Insofern fand ich es dann natürlich schön, dass ich bei den Ultratriathleten das Gefühl hatte, dass sie weder stur auf Platzierungen achten, noch absolute Materialfetischisten sind und sich auch nicht ihr ganzes Leben davon diktieren lassen, dass sie zu bestimmten Zeitpunkten eine möglichst große Leistung bringen wollen. Letztlich haben die meisten einfach Spaß an der Bewegung, an den Veranstaltungen selbst, an der nötigen Selbstdisziplin und dem Erfolgsgefühl eine solche Strecke bewältigen zu können.

 

Letztendlich fanden es viele glaube ich sogar sympathisch, dass ich ohne Funktionsbekleidung geradelt und gelaufen bin. Der Moderator nannte meine Hose „Pumpernölla“ und fand es offensichtlich gar nicht schlecht, dass ich „die Dreistigkeit hatte mit einer solchen Hose zu fahren und dann auch noch zu gewinnen“. Insofern habe ich wohl einige Gesinnungsgenossen gefunden, die den Materialfetischismus und all die Versprechungen und Hoffnungen die mit dem Konsum von teuersten Zeitfahrrädern, Funktionsbekleidung, spezieller Sporternährung und vielem mehr verknüpft sind, ebenfalls kritisch sehen. Zum einen ist zwar tatsächlich nicht jede Nahrung bei Wettkampf verträglich und nicht mit jedem Fahrrad kann man gleich schnell fahren, aber im Endeffekt braucht es eben doch eine gute Balance, bei der auch die Freude am Sport, die Arbeit mit den eigenen Fähigkeiten und Grenzen und die Frage nach dem Sinn seiner Fähigkeiten und Anstrengungen nicht zu kurz kommen dürfen.

 

Unabhängig davon war es aber natürlich auch toll dann vorne auf der Bühne zu stehen, die feierliche Atmosphäre zu spüren die beim Überreichen der Medaillen und beim Spielen der Nationalhymne entsteht und vor allem zu wissen, dass ich immerhin gerade die Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Letztendlich ist es eben doch auch einfach schön im Vergleich mit anderen gut dazustehen und Lob und Anerkennung zu ernten.

Schließlich war die Feier dann zu Ende, da ich aber sowieso alleine mit dem Auto zurückfahren musste gab es niemand der mich zur Eile antrieb. So konnte ich noch eine Runde schwimmen, mich mit anderen unterhalten und auf der Rückfahrt gemütlich am Donauufer entlang über Landstraßen tuckern um die Landschaft zur Abwechslung mal durch das offene Autofenster zu genießen.

 

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