Berlinmarathon 2018 – Neuer Weltrekord in 2h:01min:39 sec

Etwas spät kommt er, mein Bericht zum Berlinmarathon. Aber diesmal hab ich nicht nur körperlich, sondern auch mental erst mal ein wenig Erholung gebraucht, bis ich Lust hatte was zu schreiben. Vielleicht lag‘s auch an dem Hype um den neuen Weltrekord von Eliud Kipchoge. Da fragt man sich schon, was eine 5h-Zeit wert ist. Aber diesmal bin ich angesichts mehrerer kleiner Verletzungen während der Trainingsphase eh nicht angetreten, um gegen die Uhr zu laufen, sondern um die Stimmung in Berlin zu genießen. Hab zum ersten Mal das Handy mit auf die Strecke genommen und immer mal wieder ganz bewusst eine kleine Fotopause eingelegt. Geb ja ehrlich zu, dass ich mich früher über Läufer mit Handy/Foto in der Hand amüsiert habe – aber Zeiten und Ziele ändern sich halt …

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Erst mal muss ich Winfried Laube (Winne) und seiner Frau Inge vom TSV Hirschau ein ganz großes Lob und meinen Dank für die tolle Marathonvorbereitung aussprechen. Über drei Monate gab‘s pünktlich jeden Freitag per Email drei ausgearbeiteten Streckenplänen für Trainingsgeschwindigkeiten von 5:30 bis 6:40 min/km. Jeden Sonntag sind mehr als 50 Marathonis von Hirschau aus - an den heißen Tagen schon um 7:30 – auf unterschiedliche, landschaftlich schöne Strecken von 20 bis 36 km gestartet und immer gab‘s unterwegs und am Streckenende bis zu 4 Verpflegungsposten mit Getränken, Obst, Nüssen und sonstigen Leckerli. Außerdem hat Winne die gesamte Organisation bezüglich Startplätzen, Fahrt nach Berlin, Hotel und After-Race-Party übernommen. Insgesamt waren wir 67 Läufer und Läuferinnen - mit Partnern 76 Personen. Die meisten der Marathonis seht ihr auf dem obigen Bild, mit dem von Winne für die Marathongruppe entworfenen T-Shirt.

Am Freitag 14.09. ging‘s endlich los. Früh um 7:02 fuhr unser Zug nach Stuttgart und von dort am Stück durch bis nach Berlin. Ganz schön groß ist der Berliner Bahnhof und auch nicht unbedingt übersichtlich beschildert. Aber nachdem wir die S-Bahngleise gefunden hatten, waren wir schnell in unserem Hotel und es war noch ausreichend Zeit, um gleich mit der U-Bahn zur Startnummernausgabe zu fahren. Die war auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof und dort wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass ich mich auf einer Massenveranstaltung mit mehr als 44 Tausend Teilnehmern befand.

Ich war ja schon auf vielen Marathon-Großevents, aber so viel angestanden, wie diesmal, bin ich noch nie. Mit mehrfacher Zugangskontrolle (Ausweis und Startpass), Ausgabe des Armbands und gefühlten zwei Kilometer Laufstrecke durch die Marathonmesse hat es fast eine halbe Stunde gedauert, bis man endlich an der Startnummernausgabe war, um dort nochmal anzustehen. Noch schnell ein paar Gelbeutelchen und einen Starter gekauft, die man für einen 5h-Lauf garantiert nicht braucht und dann auf nach Kreuzberg zu einem netten Italiener, der eigentlich voll besetzt war, aber dann, auf unser Drängen hin, doch noch einen etwas schmalen Tisch für uns hatte.

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Die Armbändchen fand ich ja erst etwas seltsam, aber das Schöne daran ist, dass man jeden Marathoni sofort als solchen erkennt und auch am Montag und Dienstag waren noch jede Menge dieser speziellen Spezies in Berlin unterwegs. Am Samstag gab‘s dann unseren Fototermin am Brandenburger Tor (siehe Bild oben). Danach hat sich die Gruppe zerstreut und ich hab mit Uli Schweitzer noch einen kleiner Spaziergang bis zum Alexanderplatz gemacht und ansonsten auf all zu viel Rumlaufen verzichtet. Abends dann der obligatorische Pastatermin am Hackeschen Markt und danach rechtzeitig ins Bett, um am nächsten Morgen fit zu sein.

Frühstück um 7 Uhr und danach die üblichen Marathonvorbereitungen: Vaseline auf die kritschen Stellen, Brustwarzen abgeklebt, Chip am Schuh montiert, Startnummer symmetrisch mit Magnetchen positioniert, alles angezogen, Schnürsenkel gesichert, Starter angemischt, kritischer Blick in den Spiegel. Mit S-Bahn und U-Bahn – natürlich am Wettkampftag kostenfrei – zum Brandenburger Tor und dann einfach der Masse folgen. Da es einigermaßen warm war, hab ich darauf verzichtet meinen Kleiderbeutel mitzunehmen/abzugeben. Eine im Second-Hand-Shop für 3 Euro erstandene Jacke, die nach dem Start entsorgt wurde, war ausreichend, um sich bis zum Start warm zu halten. Der Platz vor dem Reichstag war voll mit Marathonis und es war wieder an mehreren Engstellen Warten angesagt, um zum Start zu kommen. In der Luft lag der Geruch von diversen Muskelcremes und an einigen Stellen auch der von Urin und die Nervosität/Vorfreude der Läufer war fast körperlich zu spüren.

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Endlich im Startblock H angekommen war immer noch fast 20 Minuten Zeit. Die Profis waren schon längst gestartet und auf dem Weg zur Halbmarathondistanz, als um 10:05 endlich der Startschuss für uns fiel und nach weiteren 5 Minuten konnte ich über die laut pfeifende Startmatte laufen. Winne und Anja, mit denen ich losgelaufen war, hab ich ziemlich schnell verloren. Am Anfang war doch noch der Ehrgeiz da, unter 5 Stunden zu bleiben. Also los auf der Straße des 17. Junis in Richtung Siegessäule und dann im großen Bogen über den Stadtteil Moabit zurück in Richtung Fernsehturm, der bis zum Alex bei Kilometer 11 die erste Zielmarke war.

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Irgendwo hab ich Barbara Peters getroffen und sie bis Neukölln als Hase genutzt und den 5h-Zugläufer – so dachte ich wenigsten – endgültig abgehängt. Aber Barbara war mir dann doch etwas zu schnell. Die Stimmung an der Strecke war gigantisch. Die vielen Musikbands haben einen regelrecht getragen und viele Berliner haben auch ihre Musikanlage auf dem Balkon aufgestellt und zum Teil zu den gespielten Titeln laut mitgesunden. Was ich bisher nur aus USA kannte, viele Zuschauer haben auf die Vornamen auf den Startnummern geschaut und die Läufer ganz individuell angefeuert, was insbesondere auf den letzten 10 km echt motiviert.

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Kurz nach der Halbmarathondistanz vorbei am Rathaus Schöneberg, weiter über Steglitz zum Wilden Eber und dann über den Hohenzollerndamm zum Kurfürstendamm bei etwa Kilometer 34. Bis dort bin ich - außer kleinen Pausen an den Getränkestationen - noch durchgelaufen, wenn auch schon deutlich langsamer. Nach der Gedächtniskirche so in Höhe des KDW stand ich dann – out of energy. Ab dort ging‘s nur noch in einer Kombination aus Gehen/Laufen weiter.

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Als mich dann am Potsdamer Platz bei km 38 der 5h-Zugläufer wieder eingeholt hatte, war es mit der Motivation endgültig vorbei, zumal viele Läufer rechts und links von mir auch nur noch gegangen sind. Also lieber noch ein paar Bildchen gemacht, immer mit dem Gedanken, dass das Ziel nicht mehr allzu weit ist.

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Wenn man dann „Unter den Linden“ um die Ecke biegt und das Brandenburger Tor sieht ist das alles vergessen und plötzlich kann man wieder laufen, getragen von einer begeisterten Menschenmasse, die die letzten Energiereserven mobilisiert. Durchs Ziel zu laufen ist auch für einen 5 Stunden Läufer bei einem Marathon genauso schön wie nach 2:01:39 … Die ganze Anstrengung ist innerhalb von Sekunden vergessen und macht einem Wolke 7-Glücksgefühl Platz. Marathon geschafft!

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Auf dem Weg in Richtung Reichstag verschwindet man wieder in der Masse der verschwitzten Marathonis. Irgendjemand hängt einem die Medallie um - passend mit dem Gesichtsprofil von Eliud Kipchoge (war wohl ausgemacht, dass der gewinnt ...), ein anderer drückt einem einen Beutel mit Verpflegung in die Hand. Man schaut, aus welcher Richtung die Leute mit einem Erdinger alkoholfrei in der Hand herkommen und klammert sich kurz danach auch an einen Kunststoffbecher mit einigermaßen kühlem Bier. Dann fällt einem ein, dass man ja ein Handy dabei hat und erkundigt sich, wo die anderen stecken. Das Gelände vor dem Reichstag ist ganz schön riesig und auch wenn um diese Zeit bestimmt schon die Hälfte der 44000 Teilnehmer auf dem Nachhauseweg waren ist es immer noch voll. Wenn man zurückschaut ist auch klar, dass man mit 5 Stunden noch lange nicht am Ende des Feldes liegt. Meine Beine fühlten sich erstaunlich locker an – wär da vielleicht doch eine bessere Zeit drin gewesen?

Am Abend dann Winnes After-Race-Party in Form eines gemeinsamen 3-Gänge Abendessens im Restaurant Nolle in der Friedrichstraße. Gut hat’s geschmeckt und das wichtigste – alle haben den Marathon durchgestanden.

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Am Montag war dann noch ein wenig Sightseeing und Einkaufen angesagt. Ich war in einem Grüppchen mit Bruno Schiebel unterwegs, der sich in Berlin ein wenig auskennt und uns durch die Hinterhöfe von Berlin Mitte geführt hat an Stellen, wo man sonst wahrscheinlich nie hingekommen wäre. Und am Mittwoch vor der Rückfahrt war dann das Highlight - nach einem Spaziergang  von den Regierungsgebäuden durch den Großen Tiergarten - die Monkey-Bar mit Blick auf den Berliner Zoo. Nicht gerade billig, aber empfehlenswert.

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Schön war‘s in Berlin! Der Berlinmarathon ist immer eine Reise wert, auch wenn ich etwas nostalgisch an meinen ersten Berlinmarathon - meinen Magicmarathon in 3:33:33 - zurückdenke. Damals war das Ziel noch in Höhe der Gedächtniskirche und auf der Tauntzienstraße standen die Duschzelte in denen Männlein und Weiblein gemeinsam geduscht haben.

Ich hoffe es war nicht mein letzter Marathon. Allerdings werde ich unter ähnlich schlechten Trainingsvoraussetzungen nicht noch mal laufen. Vielleicht kann mein Bericht ja dazu beitragen, dass der eine oder andere sich auch mal an den Marathon rantraut. Ich möchte an dieser Stelle noch unseren Frank Kapelle erwähnen, der nach 6 Stunden 51 Minuten im Ziel eingelaufen ist und ganz bestimmt viel stolzer auf den durchgestandenen Marathon ist, als viele der zwei und drei Stunden Läufer.

Hier noch die Zeiten der unter Post-SV Tübingen gestarteten Marathonis:

Lance, Lukas (GER) MH 02:44:33
Ashkar, Yamen (SYR) MH 02:50:35
Pruschke, Jens (GER) M35 03:04:17
Kummer, Katrin (GER) W50 03:54:24
Caspary, David (GER) M30 04:01:47
Schweitzer, Uli (GER) M50 04:14:01
Niederhöfer, Christian (GER) M60 04:24:41
Catarraso, Carmelo (ITA) M60 04:35:57
Malessa, Rolf (GER) M65 04:50:42
Glauner, Bernd (GER) M65 05:09:04
Kapelle, Frank (GER) M55 06:51:16

 Hier der Link zu den anderen Ergebnissen des Berlin-Marathons

 

 

 

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